Samstag, 12. Januar 2019
Japantag
Von mir zu Hause habe ich nur 15 Minuten bis zum Japantag zu Düsseldorf, aber eigentlich ist bei mir ja jeden Tag Japantag. Da wo ich lebe, liegt der Ausländeranteil bei 40%, und es sind alles Japaner. Japaner um sich zu haben und all diese japanischen Geschäfte mit den japanischen Spezialitäten und einigermaßen preiswertes Sushi, ist etwas, das ich nicht mehr missen möchte. Und der größte japanische buddhistische Tempel befindet sich nur ein Stückweit entfernt von unserer Haustür. Ist wirklich schön dort, wenn man runterkommen und die Natur mitten in der Stadt genießen möchte.
Und was man alles lernt, wenn man mit Japanern zusammen ist. Vor allem natürlich lernt man Japanisch. Shin de kudasai zum Beispiel, was Bitte stirb heißt. Oder Bakemono, also kleine Monster, also süße Kinder. Oder Shine, was Stirb! heißt. Shine verwenden die Nachbarn in dem Sinne, in dem wir Scheiße verwenden, also immer dann, wenn etwas nicht richtig läuft. Stirb, du verdammter Wagen, spring endlich an. Stirb, warum klappt das mit dem Download nicht? Stirb, wie kannst du es wagen, mit so einem Zeugnis nach Hause zu kommen?!
Und dann haben wir natürlich auch die japanische Schule ganz in der Nähe und den japanischen Kindergarten, und man muss wirklich auch sagen, dass japanische Kinder überdurchschnittlich süß sind. Was die Kinder angeht, hat sich der Umgang der japanischen Eltern mit ihnen seit ihrer Landung in Germanien ganz schön verändert, muss man schon sagen. Wenn man früher in die Nähe eines japanischen Kinds gekommen ist, haben die Mütter die süßen Kleinen immer sofort aus dem Weg gezogen, damit sie einen auch ja nicht stören, aber das kommt heute gar nicht mehr vor. Und natürlich sieht man jetzt auch immer mehr japanische Frauen mit einem deutschen Kerl an der Seite, der ihr sagt, sie sei eine Kirschblütensuppe. Und Kirschblütenbäume, die haben wir auch überall, weil es ja gar nicht Niederkassel ist, wo wir leben, sondern klein Yokohama. Kirschblütenbäume sind überall, da wo ich lebe.
Und natürlich haben wir auch japanische Hunde. Japanische Hunde sind klein. Nein, sie sind winzig. Nein, sie sind mikroskopisch, man sieht sie eigentlich nur, wenn man auf sie tritt. Aua. Und japanische Hunde sind auch immer korrekt angezogen, mit ihren Laibchen. Japanische Mikroskophundlaibchen bestechen durch ihre bunten Muster oder durch die aufgemalten Mangakatzen oder durch aufgemalte Mangahunde oder durch die aufgemalten Mangamäuse.
Und über die japanischen Kinder muss man auch noch etwas sagen, was im Vergleich mit deutschen Kindern wirklich erstaunlich ist, wie ich finde. Japanische Kinder weinen nicht, wenn sie sich weh tun, auch dann nicht, wenn sie über einen Mikroskophund stolpern und mit dem Gesicht bremsen. Erstaunlicherweise weinen sie gar nicht, scheint zumindest so.
Ja, und so lebe ich unter Japanern. Ist ein gutes Leben, kann man nicht anders sagen.

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Das Christkind kommt
Und über den Wipfeln ward Ruhe zur Weihnachtszeit. Leise rieselte der Schnee auf Häuslein und Sträßchen, auf die Tännchen und die Tannen. Und der Wind wehte leise und säuselte ein wundervolles Lied von der Liebe zur Weihnachtszeit, von den großen Augen der Kinder und vom Lächeln auf den Lippen der lieben Eltern. Und am Weihnachtsbaum, licht und warm, brannten die lieben Kerzen und zauberten ein Leuchten in die Augen der Kinder, und in der Luft lag der wundervolle Duft von Gebäck und großer Zufriedenheit. Und die Familie saß vor dem Kamin zusammen und wartete auf das Erscheinen des Christkinds.
Heute war der Abend, denn heute kam das Christkind durch den Kamin zu ihnen. Man konnte es schon hören, denn etwas rührte sich im Kamin, etwas machte leise Geräusche und etwas war auf dem Weg zu ihnen. Dann erschien das Christkind und hielt ein verpacktes und mit einer goldenen Schleife versehenes Geschenk in den Händen.
Und das Christkind warf dem kleinen Jungen seine Playstation an den Kopf und sagte: „Ich kann mich nicht mit dir beschäftigen, du Scheißblag, hab noch 120 Stopps vor Mitternacht. Der ganze Scheiß muss noch ausgeliefert werden, also verfick dich!“
Und das Christkind ging vonhinnen, denn es waren noch andere kleine Jungen in der Stadt, mit leuchtenden, wundergroßen Augen, die auf ihr Geschenk warteten zur Heiligen Nacht. Und es ward Stille über den Wipfeln, denn es ward zur Weihnachtszeit.

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